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   Bizarr
   
Von Manfred Ach

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     Last und Leid nach Lust und Laune, sie vom Scheitel bis zur Sohle in Samt und Seide, er nackt und bloß in Sack und Asche oder toll und voll mit Kappe und Schelle oder hinter Schloß und Riegel mit Spott und Hohn, wund und weh mit Wissen und Willen in Gedanken, Worten und Werken, ein Zurren und Zerren, ein Zippeln und Zappeln, ein Zittern und Zagen Zug um Zug.
Sie hält ihn streng und nimmt ihn ins Gebet, so kriecht er zu Kreuze. Er ist geliefert, sie sitzt ihm im Nacken und tritt ihn mit Füßen. In Drang und Zwang, auf Hauen und Stechen, wird er geprüft auf Herz und Nieren, gemaßregelt nach Strich und Faden, nach allen Regeln der Kunst. Er fühlt sich wie gerädert, er kommt vom Regen in die Traufe, krummgeschlossen, kurzgehalten, herangenommen, drangekriegt.

Sie kauft ihn sich und legt die Hand auf ihn, faßt ihn hart an, von langer Hand und kurzerhand, macht kurzen Prozeß. Sie möchte nicht in seiner Haut stecken, sie leuchtet ihm heim, er muß dafür herhalten, sie hält ihn hin. Er kommt nicht zu kurz, da kann er Gift drauf nehmen. Sie nimmt ihn aufs Korn, er ist in der Klemme. Sie kühlt ihren Mut, das ist die Feuerprobe. Sie drückt ihn an die Wand, putzt ihn herunter, stellt ihn an den Pranger und zur Rede, nimmt ihn beim Schlafittchen und steckt ihn in den Sack. Geschurigelt mit allen Schikanen und ständig in Schach gehalten, kommt er mit Hängen und Würgen davon. Er bringt sie in Harnisch, ihr schwillt der Kamm, sie zieht vom Leder, zieht ihm die Hosen stramm. Sie läßt ihn zappeln, stößt ihm Bescheid. Sie kauft ihm die Courage ab, gestiefelt und gespornt, versetzt ihm Nadelstiche, schlägt ihn grün und blau und krumm und lahm, haut ihm die Jacke voll, vermöbelt ihn, brandmarkt ihn vogelfrei.

Nach dem Spießrutenlauf zwängt sie ihn zwischen Hammer und Amboß und heizt ihm tüchtig ein. Sie führt ihn am Gängelband, bis er richtig spurt. Sie hält ihn im Zaum und bringt ihn auf Trab. Sie geht scharf ins Zeug und hilft ihm auf die Sprünge. Sie zügelt ihn schärfer und gibt ihm die Sporen. Nach der Roßkur kommt er an die Kandare. Sie packt den Stier bei den Hörnern und beugt ihn unters Joch. Sie wirft ihm Knüppel zwischen die Beine und traktiert ihn mit Rohr und Stange. Sie hat das Heft in der Hand und gibt ihm den Gnadenstoß.

Er muß Haare lassen und seine Haut zu Markte tragen, mit heiler Haut kommt er diesmal nicht davon, mit Haut und Haar muß er dran glauben. Sie zieht. ihm die Zähne, legt ihm einen Maulkorb an. Er wird rasiert, er bleibt nicht ungeschoren, es geht ihm an den Kragen. Sie führt ihn an der Nase herum und spuckt ihm auf den Kopf. Sie hält sich den Bauch vor Lachen, als er das Gesicht verliert. Sie klopft ihm auf die Finger, setzt ihm die Daumenschrauben an. Sie reibt's ihm unter die Nase und schreibt's ihm hinter die Ohren, sie spitzt ihn an und steckt es ihm. Sie rückt ihm den Kopf zurecht, rückt ihm zu Leibe, setzt ihm das Messer an den Hals und den Fuß in den Nacken. Er schwitzt Blut. Sie macht nicht viel Federlesens. Sie zeigt ihm die Zähne und macht ihm Beine. Er kriegt was hinter die Löffel und auf die Nuß. Sie trampelt ihm auf dem Kopf herum und sticht ihm den Star, das geht durch Mark und Bein. Sie macht ihn fix und fertig von Kopf bis Fuß. Sie nimmt ihn auseinander .

Er weiß, was die Glocke geschlagen hat. Sie hält ihm eine Standpauke und bläst ihm den Marsch. Sie zieht alle Register, bis ihm Hören und Sehen vergeht. Auf seiner Nase tanzt sie ihm herum und spielt ihm übel mit.

Jetzt zieht sie andere Saiten auf, bringt ihm die Flötentöne bei. Er tanzt nach ihrer Geige, pfeift aus dem letzten Loch. Schließlich stopft sie ihm das Maul und geigt ihm die Wahrheit, bis die Garaus-Glocke läutet.

Er frißt ihr aus der Hand und kann den Hals nicht voll kriegen. Sie hat mit ihm ein Hühnchen zu rupfen und gibt ihm eine Nuß zu knacken. Er bekommt den Brotkorb höher gehängt und hat eine bittere Pille zu schlucken. Da mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, muß er in den sauren Apfel beißen. Sie genießt es in vollen Zügen, wenn ihm der Bissen im Hals stecken bleibt. Sie treibt ihm die Rosinen aus und gibt ihm Saures. Sie nimmt ihn zur Brust und macht ihn mürbe, verpaßt ihm eine Zigarre und dreht ihm die Luft ab. Kalt wie ein Fisch, macht sie ihm die Hölle heiß. Sie quetscht ihn aus wie eine Zitrone, knackt ihm die Nüsse und dreht ihn durch den Wolf.

Die Haut muß er dafür geben. Sie zieht ihn an den Haaren herbei, hält ihn unter der Fuchtel, steigt ihm aufs Dach. Sie hat den Finger am Drücker, sie hat die Hosen an. Sie gibt ihm Zunder, sie liest ihm die Leviten, erteilt die Lektion. Sie setzt ihm eine Laus in den Pelz, spielt ihm einen Schabernack, berührt den wunden Punkt. Er sitzt auf dem Präsentierteller, er spielt den Prügelknaben, ihm wird die Rechnung durch den Strich gemacht. Sie verpaßt ihm den Denkzettel, sie kanzelt ihn ab, sie kehrt mit eisernem Besen. Er macht Männchen, sie macht ihn zur Minna. Sie ergreift drakonische Maßnahmen, nimmt ihn in die Zange, fährt grobes Geschütz auf und zeigt ihm, was eine Harke ist. Sie zieht ihm die Hammelbeine lang, treibt Schindluder mit ihm, nimmt ihn an den Kanthaken und macht ihn zur Sau. Sie wird ihn noch zur Strecke bringen, das dicke Ende kommt zuletzt.


Literaturhinweis:
Manfred Ach: "Hallo Wien" - Begegnungen.
München: Edition Ludwig im Tale.

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