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"Stirnrunzeln" - Teil V
Von Reinhard Winkler
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Resümee einer Selbstreflexion

    Ich schreibe im vollen Manierismus, bediene mich naiver Klischees, halte mich über Seiten im Ton einer arroganten Melancholie, gefalle mir in Selbstgefälligkeiten, überrasche mich mit Zärtlichkeiten (heftige Umarmungsversuche meiner selbst), ich bin mir eine perfekte Ersatzbefriedigung, wage mich schreibend in meine Magengegend, such mir mein Seelchen, aus meiner Schwermut wird Wehmut, ich bete mich an (religiöse Verzückung zwingt mich in die Knie), ich entdecke mein Genie - ich schnappe über: das Gebet ist ein Werbeslogan.
Schließlich: ich stilisiere mich in einer Liste meiner persönlichen Unfähigkeiten (Stilisierung, die optimistische Note im Selbstzweifel), ich halte mich für zu klein (aber in dieser Haltung bin ich nicht überzeugend), zuletzt das Immerhin: Ich bin ein Mann.
Und als solcher bin ich, wie könnte es anders sein, immer entweder betrunken oder katholisch.

(Jänner 2001)

 

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