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Was wir über die Welt wissen
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Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir
durch die Massenmedien. Niklas Luhmann hat das geschrieben, 1995 war das.
Es gilt immer noch, ja es gilt immer mehr.

Von Hans Durrer
(20. 02. 2005)


   Spät abends, im Fernsehen ein Dokumentarbericht über den Vietnamkrieg. Ehemalige Mitarbeiter des CIA äußern sich über die 'Golf von Tonkin'-Legende, gemäß welcher der US-Zerstörer Maddox Anfang August 1964 von nord-vietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurde, was den Amerikanern den Vorwand lieferte, offiziell in den Krieg einzutreten. Nur eben: diesen Angriff hat es nie gegeben.

Wochen später, ein weiterer Bericht, diesmal über den ersten Golf-Krieg: Ein 15jähriges Mädchen sagt vor dem amerikanischen Senat unter Tränen aus, dass irakische Soldaten in einer kuwaitischen Klinik Säuglinge aus den Brutkästen genommen und diese getötet hätten. Die Geschichte war erfunden, bei der 15jährigen angeblichen Hilfsschwester handelte es sich um die Tochter des Kuwaitischen Botschafters in den USA; inszeniert wurde das alles von der weltweit größten PR-Agentur, Hill & Knowlton, deren Chef mit Bush Senior befreundet war. Nicht wenige Senatoren, so der Fernsehbericht, stimmten nicht zuletzt dieser emotional aufwühlenden Geschichte wegen für den ersten amerikanischen Angriff auf Irak.

     Dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gegeben ... und so weiter, wir haben es ja alle oft genug gehört, jeder, der es wissen will, kann es wissen. Ebenso dürfte bekannt sein, dass, wenn es um Krieg geht (nur da?), die Bevölkerung routinemäßig angelogen wird, und so recht eigentlich wissen wir das ja auch. Erstaunlich ist jedoch, dass unser diesbezügliches Wissen zu keinen nennenswerten Konsequenzen führt. Im Gegenteil: Wir lassen uns sogar in Diskussionen darüber hineinziehen, ob die uns präsentierten Behauptungen stimmen, ob sie wahr seien. Sobald das geschieht, haben die PR-Leute gewonnen, denn dann haben sie es geschafft, dass etwas zum Thema wurde, was gar kein Thema ist: Keiner, der nicht am Ende leicht zweifeln würde, ob da vielleicht nicht doch was dran sein könne an den Massenvernichtungswaffen, dem Uran aus Niger, den chemischen und biologischen Waffen usw.

Doch wovon will man ablenken, warum geht es denn wirklich? Darum, worum es letztlich immer geht – um Geld, das in diesem Falle Öl heißt, und um Macht.

Am 28. Juli letzten Jahres schrieb John Chapman, ein hoher britischer Regierungsbeamter, im Londoner Guardian, womöglich gebe es noch immer Leute, die den Worten von Herrn Rumsfeld glaubten, der da gesagt hatte, dass Amerika seine Truppen nicht in die Welt hinausschicke, um sich des Öls anderer Leute zu bemächtigen, weil Demokratien nun einmal nicht so funktionierten. Andere wiederum, fuhr Chapman fort, würden weiterhin Herrn Blair Glauben schenken, der da gesagt hatte, dass, wenn es wirklich um Öl gegangen wäre, es wesentlich einfacher gewesen sei, sich mit Saddam Hussein auf einen Handel zu verständigen.

Doch erfahrene Staatsdiener, so Chapman, seien nicht so naiv. Für sie sei der klare Grund gewesen, dass Irak im Öl schwimme. Weshalb man sogar bereit gewesen sei, Absurditäten wie die Behauptung mit den 45 Minuten sich zu eigen zu machen.

    Über Waffenvernichtungswaffen, Freiheit, Demokratie etc. zu argumentieren, bedeutet im Zusammenhang mit der Irak-Invasion demnach nichts anderes als auf die PRopaganda der Machthungrigen reinzufallen. Realistischer und angemessener wäre, immer wieder daran zu erinnern, worum es hier wirklich gegangen ist und noch immer geht: um Öl, um Öl, und nochmals um Öl.


 

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