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Rettet die Thunfische!
Von Klaus Schwarz

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         Thunfische sind lieb, sehen gut aus und grüßen immer freundlich. Sie lassen sich manchmal streicheln und erfreuen Taucher und Wasserleichen mit melodischen Gesängen. Thunfische sind sehr schüchtern und lange nicht so eitel wie Delphine.
Doch Thunfische werden gern gefangen und in Büchsen gesperrt. Das ist schon Ölsardinen unangenehm, für Thunfische ist es eine Katastrophe. Selten sind die Büchsen groß genug, um den Thunfischen auch nur den geringsten Auslauf zu ermöglichen. Oft müssen sich sogar viele Büchsen einen Thunfisch teilen. Das ist für Büchsen wie Thunfische gleichermaßen unbefriedigend. Nur der Einzelhandel profitiert, denn kaum ein Fischladen hat Regale, in die zwei Meter lange Fischbüchsen passen. Viele unwissende Menschen sind der Meinung, man sollte Delphine besser behandeln als Thunfische. Warum?

Nun, die verdorbenen Delphine schleimen sich immer bei den Menschen ein. Sie führen kleine Kunststückchen vor, wie Bälle jonglieren, oder Badende aufs offene Meer rauszulocken, um sie dann retten zu können. Thunfische könnten auch mit Bällen jonglieren, es macht ihnen aber keinen Spaß. Außerdem haben sie keine Zeit für solche dummen Spielchen. Delphine tun alles, um intelligent zu wirken. Sind sie aber gar nicht. Zum Beispiel sind Delphine äußerst mies im Kopfrechnen und kennen das Dezimalsystem nicht, weil sie nicht zehn Finger, sondern gar keine haben. Auch in Rechtschreibung sind sie nicht so toll. Wer einmal einen Brief von einem Delphin bekommen hat, weiß, wovon ich rede. Da wimmelt es nur so von Fehlern.

Am offensichtlichsten wird es bei den abgerichteten Delphinen. Die schleppen Bomben mit Magneten dran mit sich rum. Wenn es dunkel wird, lauern sie in einer unübersichtlichen Ecke Schiffen auf. Kommt dann ein Schiff vorbei, klebt der Magnet am Schiff fest und die Bombe explodiert. Dabei werden die Schiffe oft beschädigt. Auch die Delphine kommen zu Schaden und verlieren ihre Gliedmaßen. Solcher Vandalismus ist bei Schiffskapitänen ebenso unbeliebt, wie die S-Bahn-Surfer bei Lokführern.

Thunfische sind da schlauer, die lassen so etwas nicht mit sich machen. Genauso wie Heringe und Garnelen übrigens, die allesamt schlauer als Delphine sind.
Delphine schmecken übrigens ganz ausgezeichnet. Ihr zartes, weißes Fleisch läßt sich auf vielfältige Weise zubereiten und riecht auch nicht so unangenehm fischig. Auch haben Delphine keine Gräten, was ihren Verzehr vereinfacht. Werden weiterhin so viele Thunfische geangelt, sind die Weltmeere bald leergefischt. Dann werden sich die Freunde von Meeresfrüchten auf Algen umstellen müssen. Oder die Gentechnologie wäre gefragt. Bis heute ist es den Gentechnikern aber nur gelungen, Milch herzustellen, die nach Fisch riecht. Und diese Milch konnte sich trotz eines hohen Werbeetats nicht am Markt etablieren.

Vielleicht sollte man, bis die Gentechnik vernünftige Ergebnisse bringt, erst einmal nur die bösen Fische fangen. Wie die Haie, die ja gerne Menschen fressen. Wenn alle Haie verbraucht sind, könnte man andere böse Fische fangen, wie die Fische, die andere Fische fressen. Das verzögert das Leerfischen der Weltmeere beträchtlich und ist auch viel moralischer. Die meisten bösen Fische würden die gerechte Strafe auch akzeptieren, wenn man sie auf frischer Tat ertappt. Mit einer Schwanzflosse im Mund läßt sich eben nichts leugnen.

Die freundlichen Thunfische dagegen essen nur Gras und sind völlig unschädlich. Thunfische sollten gar nicht gegessen werden.

E-mail:
klaus.schwarz@sietec.de

 

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