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Von der schiachen Prinzessin
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Cornelia Crombholz inszeniert Witold Gombrowiczs Satire-Klassiker "Yvonne,
die Burgunderprinzessin". Sie lässt das Stück in einem Zirkusrund
spielen. (Volkstheater Wien)

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V
on Kristina Werndl
(20. 11. 2006)

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   Aus einer Laune heraus nimmt der Prinz Yvonne, die hässliche Prinzessin, zur Frau. Das Stück stammt aus den 1920er Jahren, ist aber unvermindert aktuell. Der Prinz, der wie Büchners Leonce an Lebensüberdruss laboriert, kann der Widerspenstigen, fast Stummen anfänglich einiges abgewinnen, da sie sich den Menschen und höfischen Zwängen radikaler verweigert, als er es selbst zuwege bringt.

Ein wenig wie Jason bei Medea ist er von den ungeschlachten Formen seiner Erwählten sie setzt sich auf den Boden, anstatt auf die lächerlich kleinen Stühle fasziniert, lässt sie jedoch fallen, als Yvonne seinem Interesse mit Zuneigung begegnet.

Yvonnes Stummheit und Unangepasstheit fordert ihre Umgebung heraus; an ihr entzündet sich die Schlechtigkeit der Königsfamilie, die sie zu guter Letzt während eines Banketts in friedlicher Eintracht ermordet. Das Stück mit seinen schematischen Figuren ist eine Groteske, die sich verschiedener Vorbilder, etwa Büchners "Leonce und Lena" und Typen der Commedia dell'Arte, bedient. Es sollte einem im Hals stecken bleiben, so wie es die Fischgräte tut, die sich letal im Hals der Prinzessin verfängt.

  Die Balance zwischen groteskem und psychologisch überzeichnetem Spiel gelingt nur wenigen Schauspielern des Abends. Silvia Fenz als Yvonne gehört dazu, ihre dunkle Stimme, die nur ganz selten sibyllengleich zu hören ist, bildet einen reizvollen Kontrast zu den sphärischen Klängen, mit denen die Musikkapelle ihren Auftritt unterlegt und ihre Andersartigkeit hervorstreicht. Diese wird auch am Altersunterschied zum Rest des Ensembles evident. Mit Punkstiefeln und Strohhut, Luftballon und Spaßmacher-Glöckchen strahlt Fenz zugleich Zartheit und Widerständigkeit aus. Brillant Beatrice Frey, die die Schwiegermutter Yvonnes, Königin Margarethe, gibt. Sie spielt die Figur im Stil einer Disney-Zeichentrickfigur, arg grimassierend, mit klarer Diktion und einer phänomenalen Präsenz.

Da kann ihr Rainer Frieb als König Ignaz nicht annähernd das Wasser reichen. Wie sein näselnder Kammerherr (neben der Rolle: Gerd Rigauer) richtet er sich in einem weinerlichen Wienerisch ein, das in diesem hochgradig künstlichen Stück nichts zu suchen hat. Andreas Seifert spielt den Thronfolger konsequent verdrossen, mit Mundwinkeln, die fast den Erdboden streifen. Anja Schiffel als scharfe Braut und schlussendliche Gemahlin des Prinzen bezaubert mehr durch ihr Äußeres als durch schauspielerische Akzente. Überhaupt stehen viele Schauspieler, wenn sie gerade nicht sprechen, recht einfallslos herum.

Die comicstripartige Note, die in den Kostümen Florian Parbs durchschlägt, hätte die Regie beherzter aufgreifen sollen. Vieles bleibt in Klamauk und mildem Slapstick stecken, wo Schrillheit und Verfremdung erforderlich gewesen wären. Einen Geschmack davon gibt die Henkersmahlzeit, die in eine alptraumhaft-surreale Sphäre gerückt ist.
 
   Highlight und auffälligstes Stilmittel in Crombholzs Inszenierung ist die Kapelle im Parterre (Bandleader: Sandy Lopicic), die mehr als den zirkusüblichen Tusch beherrscht. Das Stück über begleitet und ergänzt sie die Sprechenden mit Hammondorgel, Drehleier, Maultrommel und Schlagwerk und sorgt so für die nötige Schräglage, die die Darsteller mit wenigen Ausnahmen nicht herzustellen vermögen. Schön und bedeutsam die Schlussszene, in der Yvonne noch als Tote ihre Umgebung in die Knie zwingt.

Warum eine Zirkusarena? Es wurde nicht klar, warum "Yvonne" so und nicht anders auf die Bühne kommt. Der Regisseurin ist es nicht gelungen, in dieser Arena die Zumutungen einer Außenseiterexistenz herauszuarbeiten. Langeweile droht; zu abgegriffen und saftlos wirkt manches Arrangement.




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