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Das Jahrhundert des Atoms

Geschichte, Technik, Risiken und Perspektiven

Herbst  2003

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   Wie soll man angesichts der langfristigen Schäden an Mensch und Umwelt oder gar im Hinblick auf die vielen Verletzten und Toten, die die Nutzbarmachung der Kernspaltung bereits gefordert hat – man denke allein an Hiroshima, an Tschernobyl, an die zahlreichen Atomtests oder an den ständig strahlenden Müll der KKWs – heute noch mit halbwegs gutem Gewissen für die Atomkraft eintreten?

Das ist seit vielen Jahren ein in Frageform gegossenes, zentrales Argument von Kernkraftgegnern in aller Welt. Und es ist ein starkes Argument, dem man – zumindest auf den ersten Blick – nicht leicht widersprechen kann. Es wiegt viel schwerer als jeder noch so gute Einwand etwa gegen die Gentechnologie, die auch schon Menschenleben gekostet hat, zum Beispiel im Bereich der Gentherapie, und die genauso zu jenen zwiespältigen Erfindungen des 20. Jahrhunderts gehört, mit denen starke Emotionen geweckt werden und die das Zeug dazu haben, die Menschen immer wieder in vehemente Befürworter und strikte Gegner aufzuspalten.

Die Angst vor dem Außer-Kontrolle-Geraten einer nicht ganz durchschauten oder nicht ganz durchschaubaren Technologie steht dann oft im scharfen Kontrast zu Beschwichtigungs- und Verheimlichungsversuchen einer einflußreichen Lobby, die auf diese Technik ihren Monopolanspruch erhebt und die in erster Linie darauf bedacht ist, ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen – oft auf Kosten der Gesundheit von Natur und Bevölkerung. Trotz aller Gemeinsamkeiten unterscheidet sich die Kern- von der Gentechnik doch in einem wesentlichen Punkt: Uran und vor allem Plutonium sind und bleiben in jedem Fall hochgiftige Substanzen und potentielle Massenvernichtungsmittel – und zwar auch dann, wenn AKWs in Zukunft einmal "ultrasicher" sein oder wenn das Problem des nuklearen Mülls irgendwann halbwegs zufriedenstellend gelöst sein sollte (z.B. mit Hilfe der "Transmutationstechnik").

Gerade weil diese Substanzen derart gefährlich sind, werden schon seit Jahren immer wieder kleinere bis größere Mengen an Uran oder Plutonium aus atomaren Anlagen gestohlen und – mehr oder weniger erfolgreich – an Terrororganisationen weiterverkauft, die letztlich nichts lieber sähen als eine nukleare Explosion über einem der Ballungszentren des Westens.

   Trotzdem bringt es nichts, sich irgendwelchen Schreckensvisionen hinzugeben. Information tut not: Wer genau weiß, wovor er sich fürchtet, kann die verantwortlichen Stellen schneller darauf hinweisen, wo der Fehler liegt. Oder erkennt, daß die Angst vielleicht nur dem fehlenden Wissen zuzuschreiben war. Unabhängig davon, für wie gefährlich oder nützlich wir die Kerntechnik im allgemeinen halten, sollten wir uns deshalb zunächst ein Bild darüber machen, womit wir es eigentlich zu tun haben.

Vielleicht tauchen dabei neue Bedrohungsbilder auf, wie etwa das des neuen Terrorismus, aber genausogut kann der Leser unseres Schwerpunktes auch erfahren, daß die meisten der heutigen Kernreaktoren prinzipiell nicht zu einem "zweiten Tschernobyl" werden können oder daß ein einziges Kilogramm Uran 235 dem Heizwert von 2000 Tonnen Heizöl entspricht, wodurch eine nicht unwesentliche Menge des Treibhausgases CO2 eingespart werden könnte.

Zwar hat die Geschichte wiederholt gezeigt, daß die nukleare Bedrohung ein Faktum ist, das nicht einfach von heute auf morgen wegdiskutiert werden kann, aber wir sollten trotz allem auch der Technik selbst eine Chance geben, sich weiterzuentwickeln. Verbesserungen sowohl im Bereich des Anlagenschutzes (Stichwort Terrorismus), aber auch technische Neuerungen wie etwa der "Rubbia-Reaktor" könnten hier ein Schritt in die richtige Richtung sein. Auf jeden Fall aber werden Kernkraftwerke in der einen oder anderen Form – und ob wir es wollen oder nicht – sicher noch über Jahrzehnte hinweg Teil unseres Alltags sein.

Auch wenn wir in Zukunft eine ausschließlich solare Energieerzeugung wünschen, sollten wir nicht übersehen, daß derzeit noch immer 30% des in Europa erzeugten Stroms aus nuklearer Produktion stammen. Auch hier gilt eben wieder: Wer in Europa schon den totalen Ausstieg aus der Kernernegie heraufdämmern sieht, sollte zunächst darüber informiert sein, daß die Kernkraft – die Zahl der weltweit geplanten neuen AKWs spricht hier für sich – keineswegs eine "aussterbende Technologie" ist, wie es Helmuth Böck, der Leiter des österreichischen TRIGA-Forschungsreaktors formuliert. Genaueres – siehe unten.....

Franz Wagner


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