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Eginald Schlattner
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Botschafter der rumänischen Kultur

Einer der zur Zeit bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller Rumäniens
ist Eginald Schlattner. Die stark autobiographisch gefärbten Romane des
73-jährigen Siebenbürger Pfarrers sind geprägt von Verhaftung, Folter
und zweijähriger Haft in den Zellen der Securitate.

Von Alexandra Oşan
(01. 01. 2007)

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    Eginald Schlattner wurde im Jahre 1933 in Arad geboren und wuchs in Fogarasch auf. In Klausenburg begann er evangelische Theologie, Hydrologie und Mathematik zu studieren, ein Abschluss blieb ihm aber verwehrt, da er wegen "Nichtanzeige von Hochverrat" im Dezember 1957 von der Securitate verhaftet wurde. Grund: Schlattner war einem regimekritischen studentischen Literaturkreis beigetreten und pflegte dort einen regen Gedankenaustausch. Nach seiner Verhaftung trat er als Zeuge gegen fünf deutschsprachige Schriftsteller auf: Andreas Birkner, Wolf von Aichelburg, Georg Scherg, Hans Bergel und Harald Siegmund. Sie wurden am 15. September 1959 in Kronstadt, damals Stalinstadt, zu 95 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Schlattner wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, die er aber bereits verbüßt hatte, und also entlassen. Über seinen Verrat schreibt Schlattner:

"Ich kann begründen, was mit mir in der Untersuchungshaft geschehen ist. Der eine Bruch geschah, als ich sah, wie viel Material die Securitate gegen uns in der Hand hatte. Da merkte ich, dass ich nicht alle retten konnte. Ich habe mich schwer von denen getrennt, die mir nahe standen, um mich für andere, die mir noch näher standen, einsetzen zu können. Und das waren die 300 Studenten meines Literaturkreises in Klausenburg, für die ich mich verantwortlich fühlte und für die es eine Katastrophe gewesen wäre, wenn sie von der Hochschule relegiert worden wären, in die sie so schwer hineingekommen waren, als Deutsche und als Bürgerliche."

Die fünf Schriftsteller haben ihm den Verrat nie verziehen und selbst seine Familie hat ihn nie verstanden. Schlattner litt an Hypochondrie und ließ sich in eine Klinik einweisen, wurde aber nicht geheilt. Er musste als Tagelöhner arbeiten und ging schließlich zum Bahnbau ins Banat, da ihn dort niemand kannte. Mitglieder der Familie, die ihm nahe standen, rieten ihm, nach Deutschland auszuwandern, aber das wollte er nicht. In dieser schwierigen Zeit war seine Frau sein wichtigster Beistand. Ihr widmete er auch den Roman "Rote Handschuhe": "Für Susanna Dorothea Ohnweiler, die damals, achtzehnjährig, den Mut und die Liebe hatte, trotz allem meine Frau zu werden."

Bevor die Partei Schlattner 1969 erlaubte, seinen Abschluss als Wasserbau-Ingenieur nachzuholen, waren die fünf angeklagten Schriftsteller längst begnadigt worden und ihr guter Ruf wieder hergestellt.

   Im Jahr 1973 setzte Schlattner sein abgebrochenes Theologiestudium in Hermannstadt fort und wurde 1978 evangelischer Pfarrer in Rothberg. Dort kümmert er sich seitdem freiwillig um die Zigeuner und betreut als Gefängnispfarrer der evangelischen Landeskirche die Haftanstalt Straßburg am Mieresch/Aiud. Nebenbei schrieb er seine drei Romane "Der geköpfte Hahn" (1998), "Rote Handschuhe" (2000) und "Das Klavier im Nebel" (2005), die im Paul Zsolnay Verlag in Wien erschienen.

Schlattner hat in Rumänien bei verschiedenen Veranstaltungen aus seinen Romanen vorgelesen und wurde zu zahlreichen Poetenfesten in Deutschland eingeladen. Da durch seine Werke das Interesse an Siebenbürgen und Rumänien in Europa geweckt wurde, erhielt Eginald Schlattner im Jahr 2003 den Titel "Botschafter der rumänischen Kultur".

    Sein erster Roman wurde dieses Jahr vom rumänischen Regisseur Radu Gabrea und dem Österreicher Marijan Vajda in Rumänien und Wien verfilmt. Der Film ist eine deutsch-rumänisch-österreichisch-ungarische Koproduktion mit internationalen Darstellern. Die Premiere dieses Filmes wird heuer als Teil des Programms "Hermannstadt – Europäische Kulturhauptstadt 2007" stattfinden und dabei gleichzeitig in Kinos in Bukarest, Budapest und Wien laufen.

Außerdem möchte Franz Csiky Schlattners ersten Roman dramatisieren. Die Uraufführung soll ebenfalls im Jahr 2007 in Hermannstadt stattfinden, die endgültige Entscheidung über eine mögliche Inszenierung steht aber noch aus. Sollte das Stück nicht in Hermannstadt gespielt werden, hat bereits das Temeswarer Theater Interesse an einer Erstaufführung angemeldet. Auch das Theater Regensburg hat dieses Stück in den Spielplan für 2007 aufgenommen.
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