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"Straßenkinder
waren für mich die härteste
Droge. Nach einem Jahr Arbeit
in Rumänien hatte
ich in Wien
schwere Entzugserscheinungen." So
schilderte Can
Tepeköylü vergangene Woche in
der Wiener Vorgarten-Remise, wie es zur Gründung von
"Chili Concordia" kam. Dies
ist die frisch gegründete Jugendorganisation
von Concordia. Unter diesem Namen
firmieren die von Pater
Georg Sporschill ins Leben gerufenen Projekte
für Straßenkinder – zuerst in
Rumänien, dann auch in
Moldawien – mittlerweile für
einige hundert Kinder und Jugendliche.
Im
Dezember 2006 luden die Chilis zum großen Fest
in die einstige Straßenbahn-Garage.
Neben der Chili-Jazzband und
der Percussion-Band "Africa-Samba-Group of Life" sorgte auch ein Chor junger
Rumäninnen und Rumänen aus den Concordia-Projekten für das musikalische
Programm. Valerie Schmidt-Chiari kam vor einem Jahr aus der moldawischen
Hauptstadt Chisinau zurück. Nach dem ersten Studienabschnitt Geschichte
"wollte ich etwas Sinnvolles machen", erzählt sie. Das Jahr der freiwilligen
sozialen Arbeit war für sie – so wie für den eingangs zitierten Kollegen –
mehr als erfüllend, "ein Geschenk" nennt sie es sogar.
Heimatlosen Kindern und
Jugendlichen helfen zu können – das war nur die eine Seite. "Wir haben alle
zusammengelebt wie eine Familie." Der Mix aus sinnvoller Tätigkeit und der
schier grenzenlosen Liebe, die dafür zurückkommt, ließ auch Marcelin Florea
nicht mehr los. Der gebürtige Rumäne wollte während seiner pädagogischen
Ausbildung nach der Schule in seiner Heimat zunächst nur für ein paar Wochen
in einem der Concordia-Projekte arbeiten. Das war vor gut zwei Jahren. Er
blieb "hängen", arbeitete zunächst im Sozialzentrum St. Lazarus in Bukarest,
später auf der "Farm der Kinder" St. Paul und nun in Wien. "Bis Juni 2007
helfe ich hier mit beim Aufbau der Jugendorganisation.
"Ich fühl'
mich so leer" – so hatte sich Can Tepeköylü an Georg Sporschill gewandt.
"Die Werte, die ich bei den Straßenkindern gelernt habe, will ich
weitergeben." Das war seine
Motivation für die Gründung
der Jugendorganisation. "Aber
wird das überhaupt andere
Jugendliche interessieren?" Das war hingegen
seine Sorge. "Du schaffst
es schon!", bekam er
von Sporschill zu
hören. Und so trauten
er und eine Handvoll weiterer Jugendlichen sich zu, so eine Plattform zu
gründen. "Sie ist die Würze des Lebens, Wien verträgt durchaus Schärferes",
begründen sie den Namen "Chili Concordia".
"Ich
genieße es, mit euch zusammen zu sein, das gibt mir Kraft", meinte Michael
Hagleitner. Und Valerie Schmidt-Chiari ergänzt: "Es gibt in Wien auf der
einen Seite genügend Jugendliche mit vielen 'verrückten' Ideen, die etwas
Sinnvolles tun wollen, und auf der anderen Seite finden wir auch hier
genügend Not und Elend, wo man anpacken kann." |