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Bräuche zum Frühlingebsginn
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März – der erste Frühlingsmonat umfasst viele Bräuche in Rumänien.

Von Irina Wolf
(01. 02. 2007)

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Das Märzchen

    Der Monat beginnt mit einer malerischen Traditionsfeier des Frühlingsanfanges, dem "Märzchen". Der Name ist im Rumänischen ein Diminutiv für März. Seit vielen Jahrhunderten gilt dieser Brauch als ein Fest der Freude und ist ein Symbol des Sieges des Guten über das Böse. Man vermutet, dass die Ursprünge des Festes aus Rom stammen, als das Neujahr am ersten März, am Geburtstag des Gottes Martius, des Landwirtschaftsgottes und Symbols der Wiedergeburt der Natur, gefeiert wurde.

Im Mittelalter feierten die Menschen den Frühlingsbeginn durch rot-weißes Anmalen von Steinchen, die als Glücksbringer galten. Rot bedeutete das Blut, die Sonne und das Feuer, den Krieg, aber auch das Leben, die Frau. Hingegen war weiß die Farbe des sauberen Wassers und des Himmels, des Friedens, des Mannes. Sie gehörten zusammen und konnten als Symbole des Lebens und der Unsterblichkeit der Natur nicht getrennt werden.

In manchen Gegenden (Moldau und Bukowina) verwendete man als Talisman auch eine Gold- oder Silbermünze. Nachdem die Steinchen oder Münzen zwölf Tage lang um den Hals getragen worden waren, kaufte man süßen Käse, in der Hoffnung, dass das Gesicht das ganze Jahr über schön und weiß bliebe.

Heute schenken Männer Frauen und Kindern als Glücksbringer Blumen oder kleine Plastikfiguren (Blumen, Kleeblätter, Vögel, Tiere), die mit einer rot-weißen Schnur versehen sind. Eine ähnliche Tradition, "Marteniza" genannt, gibt es zum ersten März auch in Bulgarien.


Die Alte Dochia

    Der Name scheint aus dem byzantinischen Kalender zu stammen. Am ersten März wird der Namenstag der Heiligen Evdokia gefeiert. In den rumänischen Sagen heißt es, dass vor langer Zeit der Sohn eines bösen, alten Weibes namens Dochia lebte, der gegen den Willen seiner Mutter heiratete. Um ihre Schwiegertochter zu quälen, beschloss Dochia, diese am ersten März einer Reihe von Prüfungen zu unterziehen: Sie sollte zum Fluss gehen und schwarze Wolle so lange waschen, bis diese weiß würde, und in der noch kalten Jahreszeit reife Beeren suchen. Gott erbarmte sich der Schwiegertochter und half ihr, beide Aufgaben zu erledigen. Als Dochia die Beeren sah, glaubte sie, der Frühling sei gekommen, und brach mit ihren Ziegen zur Weide ins Gebirge auf. Vorsichtshalber hatte sie sich neun Schafspelze angezogen. Gott aber schickte Regen, und die Alte zog eine Jacke nach der anderen aus. Da verwandelte sich der Regen in Schnee, und der Frost ließ sie und ihre Ziegen zu Eis erstarren und verwandelte sie schließlich zu Stein. Diesen versteinerten Gestalten kann der Wanderer noch heute im Bucegi-Gebirge begegnen.

Die rumänische Tradition besagt, dass die ersten neun Märztage deshalb von abwechselndem Wetter geprägt sind, weil Dochia jeweils einen Schafspelz auszieht und den Regen oder Schnee abschüttelt. Heute wählt jeder Rumäne einen der ersten neun Märztage als "Alte", und man sagt, dass sein Glück im restlichen Kalenderjahr vom Wetter dieses Tages abhängt: Ist der gewählte Tag schön, bedeutet dies das Gleiche für das gesamte Jahr, ist der Tag trüb, wird auch das ganze Jahr nicht so gut sein.

Sind die Tage der "Alten Frauen", des Überganges des Winters zum Frühling, beendet, beginnen mit dem 10. März die Tage der "Alten Männer", der Wärme.


Die 40 Mucenici

    Zum Frühlingsanfang gehören noch die traditionellen "Mucenici". Die Hausfrauen backen am neunten März Kuchen in Form einer Acht zur Erinnerung an die 40 heiligen Mucenici aus Sevastia. Diese waren nach orthodoxem Glauben christliche Soldaten in der Armee des römischen Kaisers Licinius und wurden wegen ihres Glauben an Jesus circa im Jahr 320 von Agricolae, dem Gouverneur Armeniens, gefangen genommen und schließlich umgebracht; ihre Asche wurde in einen See in Sevastia in Armenien geworfen.

Als Erinnerung kochen in der Walachei die Frauen kleine Teigkringel oder Teigachter in Zuckerwasser, um sie dann mit gemahlenen Nüssen bestreut aufzutischen. Das Wasser stellt den See dar, in dem die 40 heiligen Mucenici ihr Grab fanden. In der Moldau dagegen sind es größere Teiggebilde in Achterform, die man im Ofen bäckt, mit Honig überzieht und mit Nüssen bestreut.


 

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