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Müller & Sohn

Eine Super-Gedankentour an der Rur

 Dieses Gespräch wurde Anfang 2022 von einer meiner sprachlich begabten
Assistentinnen back in the hood aufgezeichnet. Right! In the old neighbourhood. Ich setze
jetzt wie branchenübergreifend üblich noch kurz meinen Namen drauf, soweit es der
g’schätzten Leserschaft nichts ausmacht, und gelte ab sofort, thank your very much, als
rechtmäßiger Urheber ever after – oder doch jedenfalls solange das Copyright
Bestand hat. Click, click, click. Copy and paste. Supi! …

 Von Vasile V. Poenaru
(13. 04. 2022)

...



Vasile V. Poenaru
bardaspoe [at] rogers.com


geboren 1969, zweisprachig
aufgewachsen, Studium der
Germanistik in Bukarest,
darauf Verlagsarbeit und
Übersetzungen. Lebt
in
Toronto.

 

 

 

Das ist die Rur
(lt. Wikipedia). Kein "h".
Ein Nebenfluss der Maas.
As in: "Von der Maas bis
an die Memel (…)"

 

 

 

 

MOTTO: "Yours is the Earth and everything that’s in it (…)"
If – by Rudyard Kipling.


Sowas nennt man Knowledge Management und Urheberrecht.
Oder kurz: Mafia.

   Und da wir nun schon mal beim kleingeschriebenen Zeug verweilen, sei hierin for the record extra darauf hingewiesen, dass Müller und Sohn keineswegs etwa miteinander verwandt sind. Müller heißt Müller, und Sohn heißt Sohn. Und gemeinsam betreiben sie sehr erfolgreich die Firma Müller & Sohn, die sich schlauerweise mit bahnbrechenden Innovationsprojekten für die Umwelt beschäftigt, 'cause that’s where the future lies.

Stattliche staatliche Subventionen (Danke schön, Steuerzahler!) für leider Gottes nicht ganz so energieeffiziente Windmühlen haben Müller & Sohn Milliarden erbracht. Und jetzt, da der Geldhahn zugedreht wird und die sehr romantischen, dabei jedoch nicht sehr praktischen Windmühlen der Zukunft den Betrieb einstellen müssen(und somit trotz von zahlreichen öffentlich bestellten obrigkeitshörigen Faktencheckern untertänigst gecheckten optimistischen Prognosen zwingend wieder der Vergangenheit anheimfallen), gilt es, weitere Geldquellen ausfindig zu machen. Müllers Esel? Müllers Kuh? Teil des Projekts. Und Olgas edles All-Gas-Kamel ebenfalls, wie sich im Folgenden erweisen wird.

   Uns geht es hier nämlich mitnichten um Politik und Rechthaberei. Es geht uns nicht um Macht und Ideologie, sondern um die Zukunft. Um die Wärme in unserem Herzen und in unserer Wohnung. Um die Umwelt! Ums Klima. Wir wollen das Klima schützen. Und den Celsius retten. Und den Meter und das Pfund auch, verdammt nochmal! Aber freilich nur das deutsche. Das britische darf weg. Und der Fahrenheit a. Und die Meile. O mei!

Weg! Tschüssikowsky, brexitiertes Brexit-Dingsbums! Am Ärmelkanal endet unsere Solidarität. Aber den Meilenstein behalten wir. Denn der ist so bodenständig wie die Mark – und der Markgraf Mark the Shark. Von der Maas bis an die Memel nichts als Einigkeit und Recht und Freiheit! Des is so, weil des muss so. Die Faktenchecker ham’s auf Befehl der Obrigkeit g’checkt. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Politische Korrektheit ist uns ein hohes Gut.

   Get it? Get it? Get it? Will ich jedenfalls hoffen! Denn wer das nicht einsieht, ist, das hab ich vorgestern höchstpersönlich in der Plageschau gehört (und zwar von mir selber; ich höre mich nämlich sehr gerne vor laufender Kamera sprechen), ein Muffel, ein Schwurbler, ein Rechtsextremist, ein Antisemit und ein ausgesprochener Idiot. Ein Zukidiot. Ein Kunftidiot. Ein Umidiot. Ein Weltidiot. Ein Klimidiot. Ein Pfundidiot. Ach! Wie geil! Die deutsche Sprache lässt wirklich alles mit sich machen. Olles, olles!

Check’s Sie’s? Or else …

Dies ist die pure Wahrheit. Ich hab sie auf tausend Jahre gepachtet. Die Wahrheit und die Wissenschaft. Die einzig und allein zulässige wissenschaftliche Wahrheit. Meine Wahrheit. Die Wahrheit meines Narrativs. Sie allein gilt. Das kann ich jederzeit rechtskräftig bestätigen.

   Klar: "L’etat, c’est moi!" Und ich hab unter Berücksichtigung meiner ureigenen Experten-Meinung (yep, das reicht) entschieden, dass meine Bum-Bum-Dingsbums-Politik der autoritären Herrschaft durchaus verfassungsgemäß ist. Und man sollte sie nie hinterfragen!

Nie hinterfragen! Nie hinterfragen! Nie hinterfragen! Stichwort Rechtsstaatlichkeit.

Gewaltenteilung? Jawohl! Aber bitte aus pragmatischen (und wie gesagt keineswegs etwa aus ideologischen) Erwägungen heraus alle Gewalten am selben Fleck. In derselben Hand. In der unsichtbaren Hand. In meiner Hand. Tief im politischen Dschungel des zugegebenerweise gerade wieder mal a bisserl totalitär und faschistoid geratenen Zeitgeistes zweckmäßig gebündelt.

   Leute! Mir nach! In Reih und Glied! Blinde Gefolgschaft ist angesichts der Dauer-Notlage (Risiken wird’s schließlich immer geben, ergo: Dauernotlage for future) mehr denn je vonnöten. Und zwar auf Widerruf. Versteht sich. Sonst könnte man ja all die Gesetze, Eilverordnungen und Heil-Experimente nicht langfristig nach Gutdünken (wollte sagen: nach den unanfechtbaren, sich selbst verabsolutierenden Erkenntnissen der Wissenschaft) solidarisch durchpeitschen.

Doch genug Politik. Zur Kasse, bitte! "It’s the economy, stupid!"

Und ich sage: Ein Kamel! Mein Königreich, meine Republik, mein Bundes-Dingsbums rund um uns für ein sibirisches Kamel! All-Gas-Kamele haben sich ja bekanntlich längst als überlegenere Alternative zu Allrad-Antrieben bewährt. All-Gas, meine hochverehrten Damen und Herren! Das sind Putins sibirische Super-Kamele (okay, ursprünglich stammen sie ja von Rasputin, wie schon der Name andeutet; lover of the Russian Queen) der berüchtigten Nord-Stream-Karawane. Geliefert in no time über Olgas Sibjersky Logistics & All-Gas Empire Jungle Corporation. Ein tüchtiges Business Modell, wenn ich mich nicht irre. Und jetzt wird mal tüchtig Gas gegeben! Ein neues Narrativ ist da.

Breaking News: Olga’s corporation is good for the nation!

   Das größte Land auf Erden braucht sich, dies unter uns, übrigens nicht anzustrengen, um auf dem Weltatlas-Dschungel aufzufallen, mögen nun Scholz und Biden, die beiden superklugen Köpfe unzeitgemäß kochender politischer Unglückstöpfe, noch so lange mit ihrer zaghaften Buben-Rhetorik um den Busch herum tänzeln. Um den sibirischen Busch. Und tief im Busch, sozusagen mittendrin im Dickicht des tatsächlichen Zeitgeschehens? The eyes of the tiger. Oder in unserem Falle eben der Buckel eines Kamels. Der Hocker. Und daneben? Eine emsige chinesische Raupe. Bald wird daraus ein Schmetterling. There is more to it than meets the eye.

Welch kolossaler Anlass zum internationalen Macht-Poker! Der Totalitarismus ist in. Total cool. Edel und gerecht. Ganz anders als bei Brecht. Hob i recht oder hob i recht?

   Und alles so grün! So schön! So politisch korrekt. Gotta love it!Russland ist offensichtlich nach wie vor einer der Big Players; das hätten wir fast vergessen. Ja, wir. Pure Vergesslichkeit. Jedoch nicht Müller & Sohn. Die packen’s. Die ham’s scho immer gepackt.

Und ich sage:
Bravo, Müller! Bravo,Sohn!
Bravo,
Sibjersky Logistics & All-Gas Empire Jungle Corporation!

Im Hocker verstaut: Unmengen Fett? Allerdings! Aber vor allem halt reichlich Gas. Milliarden Kubikmeter Methan. Unter dem Permafrost, der nun freilich wohl nach und nach auftaut, regt sich dabei, den Verdacht werde ich nicht los, so manches Unbehagliches.

   Doch egal. Es rolle der Rubel! Rollowskzy rubelsky! Umweltfreundliches sibirisches Erdgas für ein moralisch einwandfreies EU-Energie-Konzept. Kurzum, Synerie for future. Sine qua non for you and me. Oder auf gut Deitsch: Gasowsky sowsky in orbe ultima! "Panimajesch? Panimajesch?"

Japanimaju! … And that’s what I’m talking about.

 

Erste Szene

(Möglicherweise bleibt sie ja aber auch die einzige.)


Müller & Sohn im westdeutschen Dschungel. Dazu ein solidarischer Papagei. Müller hält einen Bericht für eine Akademie in der Hand. Sohn streichelt seinen Papagei. Der Papagei quietscht mit schriller Stimme: "Nie hinterfragen! "Nie hinterfragen! Nie hinterfragen!" Am Handy? Die Plageschau. Viren und Bakterien, was das Zeug hält.

Click, click … Weiter! Breaking News: Die internationale Situation ist bescheiden. "Dawai!" Putin will uns den Gashahn zudrehen. Unfein? You bet! Außerdem gefährden seine Fake News unsere eigenen Fake News. Ergo: RT muss weg. Nuancierte Diplomatie: "Njet! … Stoi! Paroi!" DW muss weg.

Falsch Gebild und Wort. Wodka Mephisto vs. Wodka Rasputin. Auerbachs Keller in Leipzig als Drehscheibe des Wahrheitsmonopols. Click, click … Weiter! "Umwelt pur! Im fernen Sibirien. Landschaft mit Gas."

Kaum zu fassen! Bio-Gas! Das Höchste der Gefühle.

Snapshot: Olgas superschnelles All-Gas-Kamel mitten im Sprung. Richtung Unendlichkeit. Was hier heißen will: Richtung Zukunft. Eine Durchsage der umwerfenden Sibirien-Korrespondentin: "Im Kampf gegen Omicron hilft nur noch Olgas Sibjersky All-Gas Empire Jungle Corporation!" Click …

Gefällt mir. Das Herz bebt. Die Seele schwebt.

Der Papagei quietscht mit schriller Stimme: "Empire Jungle Corporation! Empire Jungle Corporation! Empire Jungle Corporation!" Dann hält er den Schnabel.


SOHN:
Grüß Gott, Müller! Salam!

Müller: Grüß Gott, Sohn! Salam! Salam!

SOHN: Na? Wie geht’s? Ach so! … Die Plageschau! Interessant, gell?

Müller: Danke, gut. Und dir?

SOHN: Auch gut, danke. Hier im Rheinland ist alles paletti.

Müller: Ja. Die Plageschau. Sehr interessant. Und Sibirien. Paletti letti?

SOHN: Letti letti paletti!

Müller: Masha’Allah! Gas!

SOHN: All-Gas! No kidding! My kind of future! Apropos … Du, sag mal, Müller, wir wollten doch die Umwelt retten.

Müller: Ach ja! … Genau. Right! … Die Umwelt! Retten wir die Umwelt, Sohn! Aber schnell.

SOHN: Ganz schnell.

DER PAPAGEI: Retten wir die Umwelt! Retten wir die Umwelt!

Müller: Und solidarisch.

SOHN: Total solidarisch. Ich zum Beispiel fahre nicht mehr Auto.

Müller: I a net.

SOHN: Ich rauche nicht mehr.

Müller: I a net.

SOHN: Ich bin aus Kohle, Gas und Kernkraft ausgestiegen.

Müller: I a.

SOHN: Gemeint ist natürlich das deutsche Gas, nicht das sibirische.

Müller: Natürlich.

DER PAPAGEI: Türlich! Türlich!

SOHN: Meine Kalaschnikow hab ich verschenkt. Die Schischa ebenfalls. Dazu bin ich doppelt geimpft und dreifach geboostert.

Müller: Dreifach geboostert? Junge, Junge! Mann! Sohn! …

SOHN: Ja, sicherheitshalber. Wenn der Impfstoff schon nicht wirkt, dann am besten gleich dreifach.

Müller: Logisch. Denn die Impfschäden werden dann dreifach reduziert.

SOHN: Ich weiß, ich weiß … Hab ich auch in der Plageschau gehört.

Müller: Kluge Leute sehen viel fern.

SOHN: Ja. Fernsehen ist gesund. Hat auch der Professor gesagt.

Müller: Professor von und zu. Der Vonuntsu.

SOHN: Good stuff! Good stuff!

DER PAPAGEI: Vonuntsu! Vonuntsu! Good stuff!

SOHN: Nur Idioten kapieren das nicht.

DER PAPAGEI: Pieren das nicht. Pieren das nicht.

Müller: Idioten und Leugner. Und unsolidarische Schweine.

DER PAPAGEI: Arische Schweine! Arische Schweine!

SOHN: Ditto! Und wenn ich jemanden sehe, der unsolidarisch aussieht, melde ich das unsolidarisch leugnende Schwein unverzüglich dem Faktenchecker-Volksverpetzer-Obersturmbann-Kommandament.

Müller: Brav so. Brav so. Leugner sind Schweine. Schweine sind Nazis.

SOHN: Die werden schleunigst verpetzt. Alles muss seine Richtigkeit haben. Es lebe die Demokratie! Es lebe der Rechtsstaat!

Müller: Es lebe der Rechtsstaat! Jetzt heißt es kräftig durchgreifen. Ordnung muss sein.

SOHN: Zuerst kommt die Gesundheit, und dann kommt die Moral.

Müller: Ein wahres Wort.

ER PAPAGEI: Wahres Wort! Wahres Wort!

Müller: Doch wie kommst du von A bis B?

SOHN: Per Fahrrad. Oder per pedes.

Müller: Geil! Frauen reißen sich um sowas.

SOHN: Hab ich gemerkt.

Müller: Einen Ferrari kann jeder haben. Radfahren hingegen ist romantisch.

SOHN: Und pragmatisch.

Müller: Besonders über längere Strecken.

SOHN: Kein Scha …

Müller: Kein Scha?

SOHN: Kein Scha-Scha-Scha!

Müller: Ist das Deutsch?

SOHN: Almani, Almani! Hochdeutsch. Scha-Scha-Scha! Cha-cha-cha!

Müller: Cha-cha-cha! Mann! Was für ein glorreicher Tag! Da kann ich nur noch eins sagen: Die Windmühlen des Sprachunterrichts mahlen langsam, doch gerecht.

SOHN: In diesem Punkt muss ich dir beistimmen. Denn Almani ist gut für die Umwelt!

Müller: Besonders recyceltes Almani.

SOHN: Stimmt. Sehr gut für die Umwelt. Und Almani kann man aus allem recyceln.

Müller: Auch aus Simplified Bad Englisch?

SOHN: Und ob!

Müller: Ach! …Ausgezeichnet! Die wunderbare deutsche Sprache am Sattel meines Kamels.

SOHN: Modalpartikeln als Staubwolke der Sagkraft. Modalverben aus demStegreif! Im Schritttempo, im Trab oder im Galopp – je nachdem.

Müller: Wie poetisch! … Donnerwetter nochmal! Das schreib mir ich gleich mal auf. Für die Zukunft. Und für die Umwelt.

SOHN: Ich liebe die Umwelt!

Müller: An den Hufen unserer superschnellen Kamele und in den unscharfen Staubwolken der noblen Karawanen des Gemüts erklingt das Hochdeutsch jener Fata Morgana, die wir ahnen.

SOHN: Mega! Ich liebe die Umwelt! Und den Deutschunterricht! Fata Morgana? Gut, gut!

Müller: Brav so! Almani, Almani! Masha’Allah! … Natur! Oase unseres Gemüts! Das beste Hochdeutsch! Direkt aus Oberösterreich.

SOHN: Ich liebe Oberösterreich!

Müller: I a! No a Stamperl?

SOHN: Aber natürlich! Morgen muss ich nämlich mal kurz nach Sibirien. Da will ich vorher Energie tanken.

Müller: Ins ferne Sibirien? Weit, weit weg von der Zirkulation der Ideen?

SOHN: Ja, weit weg. Was da zirkuliert, ist das Erdgas. Direkt aus dem Permafrost. Sehr gesund. Und ein wahrhafter Segen für die Umwelt.

Müller: Trifft sich ja gut, dass du dein Fahrrad hast.

SOHN: In zwei Jahren bin ich wieder da.

Müller: Das ist schnell. Sehr praktisch. Und gut für die Umwelt.

SOHN: Sehr gut für die Umwelt. Doch weißt du was? Ich hab vergessen, den Fernseher auszuschalten.

Müller: Allah, Allah! O mei! … Pure Vergesslichkeit. Umwelt kaputt. Zukunft weg.

SOHN: Tut mir leid.

Müller: Weltuntergang. Kein Deutschunterricht mehr.

SOHN: Weltuntergang? Mag sein. Doch der Unterricht geht weiter, und wenn wir dazu sieben verschiedene Lehrer brauchen.

Müller: Das läuft wie bei den sieben Wundern der Antike.

SOHN: Wir lernen bis ans bittere Ende!

Müller: Brav so. Brav so. Doch wo genau?

SOHN: Beim Mongolen.

Müller: Mongol Han?

SOHN: Han, han!

Müller: Angebot?

SOHN: Mittagessen. Zehn Euro. All you can eat. Ich bring das schon in Ordnung. Von Sibirien aus ist es ja nur ein Katzensprung.

Müller: Und der Deutschunterricht?

SOHN: Wird geschwänzt. Ist ja logisch.

Müller: Donnerwetter nochmal! Was für ein toller Einfall! Aber darf man da auch …?

SOHN: Ja. Man darf.

Müller: Bist du dir da ganz sicher?

SOHN: Todsicher. Aber nur ein bisschen.

Müller: Aleia iacta est.

SOHN: Hört sich gut an. Und was tun wir, wenn die Prüfung naht?

Müller: Die Prüfung? Alarmstufe Rot!

SOHN: Ja, die Prüfung. Echt. Die Frage hat ja schon mal der Dichter gestellt.

Müller: Der Dichter?

SOHN: Der Dings. Müller und Sohn, was nun? Müller und Sohn, was tun?

Müller: Ja dann ja dann ja dann ja dann …

SOHN: Foan ma na Hamm?

Müller: Nein. Dann wird zunächst ausgetrunken und ausnahmsweise mal ordentlich gebüffelt.

SOHN: Gebüffelt?

Müller: Gebüffelt. Hör mir gut zu, Sohn! Repetitio est mater studiorum.

SOHN: Gebüffelt. Gebüffelt.

Müller: Jawohl! Salam Basalam Maram Ham! Ein bisschen.

SOHN: Ich muss aber nach Sibirien. Die Umwelt wartet auf mich.

Müller: Zuerst ins Studierzimmer, dann nach Sibirien. Dann latschst du – bzw. fährst du – als studierter Mann in die Wildnis. Das ist bestimmt von Vorteil – wenngleich nur ein bisschen.

SOHN: Ein bisschen?

Müller: Ein bisschen.

SOHN: Bisschen-Bisschen?

Müller: Bisschen-Bisschen.

Der Papagei: Maram Ham! Maram Ham!

SOHN: Alles klar, Müller! Studiorum. Studiorum. Aber am besten kommst du gleich mal mit nach Sibirien. Das wäre gut für das Klima. Für die Zukunft.

Müller: In die Wildnis? O mei! Da hab ich aber keinen Bock. And the future ain’t what it used to be anyway.

Der Papagei: Bock, Bock! Bock, Bock!

SOHN: Doch! Doch! Millionen Quadratkilometer Umwelt. Klima bis an den Topfrand. Kann man alles retten.

Müller: Bis an den Topfrand?

SOHN: Bis an den Topfrand. Klimasuppe mit Umweltknödel.

Müller: Geil! Das lange Latschen ist mir aber zu beschwerlich. Und Radfahren will i net.

Der Papagei: Des Müllers Lust. Des Müllers Lust. Des Müllers Lust.

SOHN: Dann mietest du eben ein Kamel von Olga. Rent-a-Camel. Die Nord-Stream-Karawane hat attraktive Angebote. Und die neue Seidenstraße ist auch nicht so weit entfernt.

Müller: Ach wie gut sich alles fügt! All-Gas?

SOHN: Ja. All-Gas. Von Olgas Sibjersky Logistics & All-Gas Empire Jungle Corporation. Freundlicher Kundenservice. Gutes Almani. Konjunktiv Zwei while supplies last.

Müller: Alles klar, Sohn. Du hast mich überzeugt.

SOHN: Hob i?

Müller: Haste!

Müller: Masha’Allah! Gehn ma ins Studierzimmer! Und dann auf nach Sibirien! Denn die Zukunft ist aus Gas. Und sie macht uns Spaß.

SOHN: Einverstanden. Glasnost, Gasnost … ’s is olles einerlei. Gehen wir.

Müller: Brav so! Gehn ma! Tandaradei!

SOHN: Gehn ma! Gehn ma!

Müller: And – which ist more – you’ll be a Man, my son.

Der Papagei: A man, my son! A man, my son!

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