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Kultureller Glanztag in Temeswar
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Im zweiten Saal des Nationaltheaters Temeswar, einer ehemaligen Manege der K&K
Monarchie, fand am 2. Mai die Verleihung des KulturPreises Europa 2009 statt.

Von Irina Wolf
(23. 05. 2009)

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Irina Wolf
wolfirina [at] yahoo.com


wurde in Bukarest geboren.
Nach Abschluss ihres Infor-
matikstudiums kam sie 1988
durch ein Herder-Stipendium
nach Wien. Nach mehreren
Jobs im Telekommunikations-
und Forschungsbereich
wechselte sie 1993 in den
Handelsbereich. Seitdem
arbeitet sie bei der Friedrich
Wilhelm GmbH & Co.KG
und hält weiterhin engen
Kontakt mit Rumänien.


 

Ada Hausvater
und Radu Afrim
 

"Wir leben miteinander und
sind dennoch verschiedenartig.
Wir sprechen unterschiedliche
Sprachen, haben vielfältige
Sitten, aber ähnliche Gefühle.
Geographisch, politisch,
wirtschaftlich und kulturell
stehen wir einander nahe
oder aber sind weit vonein-
ander entfernt. Und doch
leben wir zusammen, und wir
sollten täglich lernen, auf den
Nächsten zu hören, um eine
Gesellschaft zu bauen, in
der positives Verhalten und
Mitbeteiligung nicht nur
Wunschträume bleiben. Diese
schwierigen Zeiten, geprägt
von vielen Nuancen in Toler-
anz und im Gemeindeleben,
müssen durch Dialog und
gegenseitiges Verständnis
ausgeglichen werden".
(Codruta Popov, Dramaturgin
am Nationaltheater Temeswar
).

   Das Kulturforum Europa hat im heurigen Jahr 2009 das Nationaltheter Temeswar und den rumänischen Regisseur Radu Afrim mit dem KulturPreis Europa ausgezeichnet. Seit 1992, als das Kulturforum Europa vom damaligen Außenminister Deutschlands, Hans-Dietrich Genscher, ins Leben gerufen wurde, hat sich diese Institution zum Ziel gesetzt, "Persönlichkeiten auszuzeichnen, die die Idee Europa ausarbeiten und zu ihrer Verwirklichung beitragen". In seiner Rede unterstrich Dieter Topp, Präsident des Kulturforum Europa, die Verdienste der diesjährigen Preisträger, die dazu beigetragen haben, "um ein Stück auf dem Weg zu mehr Toleranz und Akzeptanz voranzukommen".

Maria Adriana Hausvater, seit drei Jahren Direktorin des Nationaltheaters Temeswar, betonte die Wichtigkeit eines Nationaltheaters, das heutzutage im sozialen Geschehen aktiv involviert sein muss. Dies sei insbesondere in Temeswar, einer Stadt, in der die Idee eines multikulturellen Miteinander bereits seit 400 Jahren verankert ist, von großer Bedeutung. 1989 wurde die politische Umwälzung Rumäniens von dieser Stadt im Westen des Landes in Bewegung gesetzt. Zwanzig Jahre danach ist es wieder Temeswar, das zum zweiten Mal, diesmal im Kulturbereich, ein Zeichen der Veränderung in Rumänien setzt und somit wieder einmal Geschichte schreibt.

   Der engagierte Regisseur Radu Afrim ist hauptsächlich an zeitgenössischen Autoren interessiert. Weiters legt er Wert darauf, rumänische Uraufführungen zu bringen, sowie Vorstellungen, die über die heutige Gesellschaft und deren Probleme sprechen. Afrims Inszenierungen er selbst ist ein hervorragender Fotograf vibrieren voller farbenfroher Bilder und emotionaler Musik, die der Regisseur manchmal auch selbst auswählt.

So auch in seiner Inszenierung des Stückes von Fausto Paravidino "Die Krankheit der Familie M", ein Stück über zwischenmenschliche Beziehungen in einer gesellschaftlichen Randgruppe. Neben der Musik ist es auch das Bühnenbild, das durch seine Originalität und Farbauswahl hervorsticht. Obwohl die Handlung des Stückes für einen Innenraum gedacht ist, wurde sie in der Temeswarer Inszenierung in einen Wald mit rotem Rindenmulch und dürrem Gebüsch versetzt. Nicht umsonst hat die Bühnenbildnerin Velica Panduru 2009 den Preis des rumänischen Theaterverbandes UNITER für die beste Bühnendekoration, die im Ambiente des Saals 2 besonders aufgeht, erhalten.

Beide Preisauszeichnungen bestätigen die Relevanz der Afrim'schen Inszenierung für das heutige Europa, die an der Pariser Bühne "Odéon Théâtre de l'Europe" vom 11. bis zum 21. Juni zehnmal zu sehen sein wird.

   Radu Afrim hofft, mit dem KulturPreis Europa ein Zeichen für junge Regisseure zu setzen und diese zu motivieren, mutiger ans Werk zu gehen, um sowohl ästhetisch als auch was deren Grundhaltung anbelangt, dem diesjährigen Motto des Kulturforum Europa "Rumänien ist mehr ..." nachzukommen.

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