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Spiel, Spaß und jede Menge Arschlöcher

Swing. Dance to the right heißt die neue Produktion des Theatermachers
und Gründers des aktionstheater ensemble, Martin Gruber. Sie ist laut eigener
Aussage die "Einlösung eines Versprechens", im Falle eines Rechtsrucks in
Österreich "etwas Unterhaltsames auf die Bühne zu bringen".

Von Irina Wolf
(14. 04. 2018)

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   Pinguine! Sie können nicht fliegen, haben einen Watschelgang oder legen sich auf den Bauch und rutschen bergab hinein ins kühle Nass. Die "Pinguine" im Wiener Werk-X tun jedoch nichts davon. Die in weißen Hemden und schwarzen Slim-Fit-Anzügen gekleideten fünf Schauspieler (Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Martin Hemmer, Isabella Jeschke, Nicolaas van Diepen) tanzen, als ob es um ihr Leben ginge. Noch etwas verhalten beginnen sie auf der sonst leeren Bühne, hinten und seitwärts umrahmt von weißen Projektionswänden, im Gleichklang mit dem rechten Fuß zu wippen. Passend übrigens zum flott beschwingten Titel des Stücks.

Abwechselnd verdichten sich schließlich Textpassagen und flotte Tanzszenen zu einem bemerkenswerten Theatererlebnis. Untermalt wird die Performance von Andreas Dauböcks fabelhafter Musik. In einer wilden Achterbahnfahrt vermischen sich pointierte politische Aussagen mit metaphorischen Gesten. Beschuldigt werden zum Beispiel "die Chinesen" – eigentlich ein Oberbegriff für "Afghanen, Syrer, Tschuschen" oder zusammenfassend "die ganzen Arschlöcher". Dazu werden Punschkrapfen mit Schlagobers – keinesfalls mit deutscher Sahne! – serviert, aber auch das nur einigen privilegierten Zuschauern in der ersten Reihe. Damit auch niemand vergisst, dass wir in einer von Angst geprägten Gesellschaft leben, verwandelt sich ab und zu der Arm von Nicolaas van Diepen zu einem imaginären Gewehr, mit dem einzelne Zuschauer "abgeknallt" werden.

   Spielerisch werden aktuelle politische Entwicklungen in Österreich und Deutschland dargelegt. Der nur etwas über eine Stunde dauernde Theaterabend ist eine von der Feder des Regisseurs Martin Gruber konzipierte bunte, komische wie poetische politische Satire. Schon beim Zusehen und Zuhören bekommt man Lust auf mehr. Doch der Rhythmus verlangsamt sich zum Ende hin. Die Projektionsflächen, auf denen einsame Silhouetten der couragiert und kraftvoll auftretenden Schauspieler hin und wieder "spazieren" waren (Video: Bella Angora), sind jetzt beschmiert. Gleichermaßen alleine verlassen die Performer einer nach dem anderen die Bühne. Denn Swing. Dance to the right ist auch der vierte Teil der "Tetralogie der Einsamkeit". Welch eine wundervoll tiefsinnige, dabei zugleich rührende und nachdenklich machende Produktion!
 


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